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TV Kritik: “LYRIK! Mit Lord Reis”

17.09.2013 15:38

Geschrieben von Karl Ritiker in Kultur,
Karl Ritiker
TV-Kritiker
Karl Ritiker

Ich werde ja oft gefragt: “Karl, was schaust du eigentlich im Fernsehen”. Darauf antworte Ich meistens nur “Gar nichts, da läuft ohnehin nur Mist”. Trotzdem habe Ich eine TV Zeitschrift abonniert. Nicht wegen des Programms, sondern wegen der interessanten Artikel. In dieser Zeitschrift wurde ich auf eine neue Sendung aufmerksam gemacht “LYRIK! Mit Lord Reis”. So habe ich mir Gestern Abend einen Fernseher gekauft um zu sehen, was Lord Reis seinem Publikum an Kulturkost auftischt.

Es war grauenhaft. Grauenhaft schön. Ich musste fast die ganze Zeit über weinen, da mich die Gedichte (allesamt in Pöter-Form) zutiefst berührt haben. Schon das erste Gedicht “Die Innenstadt und das Meer” war bewegend. Der Satz “Mehr Schwein für weniger Geld” hätte so auch von König Potty stammen können. Ich habe mich beim lauschen schon selber königlich gefühlt. Als mir die Pöter-typische Phrase “DU BIST GEMEINT!” entgegen geschmettert wurde, habe ich mich selber wie die, im Gedicht angesprochene, Laufmasche gefühlt. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige an diesem Abend war, der hier seine erste Träne verdrückt hat.

Beim zweiten Gedicht “Stichstraßen” war ich gelinde gesagt enttäuscht. Der Abend fing so schön an, und dann dies. Kein Hund, kein Brot, nichts ist gewaschen, oder wahrscheinlich. Außerdem hat der Inhalt keinerlei Sinn ergeben. Für andere Pöter-Lyriker wäre hier ihre Karriere zu Ende gewesen. Möglicherweise war dies auch das Gefühl, welches Lord Reis hervorrufen wollte. Ich habe es jedenfalls als Nonsens abgetan, und gehofft, dass vielleicht ein Pöter mit Brot und/oder Kartoffelsalat folgt, um an den starken Anfang anzuknüpfen.

Und der Pöter kam. Mit einer Wucht, wie eine Backpfeiffe mit Kettenhanschuhen wurde mir “Poem an Kartoffelsalat” um die Ohren gehauen. Zu recht wird er als eines von Lord Reis’ persönlichsten Werken angesehen. Beim letzten Satz “Müllsammler auf weiter Flur...” angekommen, musste ich eine weitere Packung Taschentücher anbrechen. So schlecht war mir vor Mitgefühl geworden. Ich denke nicht, dass ein anderes Gedicht deutlicher die Tragik eines solch einschneidenden Erlebnis im Leben des Lord’s wiederspiegeln könnte. Nicht annähernd.

Als nächstes folgte eine erheiternde Auflockerung: “Traditionelle Gesellschaft”, ein geschickt platzierter Polit-Poter mit satirischen Elementen. Ich glaube nicht, dass ich an diesem Tag mehr gelacht habe.

Zum Schluss folgte ein Pöter-Experiment par excellence. König Potty hatte vor die Sendung die Begriffe "Kautschuk", "Büstenhalter", "Origami-Affen" und "Mist" vorgeben. Aus diesen musste Lord Reis einen Pöter zusammenspinnen. Für manche eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Doch nicht für den, zureicht als Pöter-Konifere bezeichneten Lyirk-Lord.

Die “Ode an den Feuermelder” war überraschend ergreifend. Die vorgegeben Worte waren raffiniert platziert und verfehlten ihre Wirkung nicht. Die nächste Packung Taschentücher musste dran glauben. Die letzten beiden Zeilen “Keine Schokolade-Nuss für den König / Mist.” lockerten die Stimmung zwar deutlich auf, regten aber auch zum Nachdenken an. Vor allem, weil das vorgegebene “Mist” das letzte Wort des Pöters war und ein Satzendzeichen auch den Pöter beendete. Das hat mich schlichtweg umgehauen.

Alles in allem ein gelungener Abend. Besser wäre es vielleicht noch gewesen, wenn Lord Reis ein oder zwei Gäste einladen würde, um die Stimming ein wenig aufzulockern.

So oder so werde ich trotzdem beim nächsten mal wieder einschalten. So geflasht war ich seit der Uni nicht mehr.

Prädikat: Besonders Wertvoll - wie ein kleines Steak.

Kommentare

Gute Kritk
17.09.2013 16:10

Geschrieben von Karl Ritiker
Selten eine so gute TV-Kritik gelesen. Dieser Mann hat einen Preis und eine Gehaltserhöhung verdient.
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